Häufig gestellte Fragen und ihre Antworten

1. Welche Kinder werden aufgenommen?

Unsere Schule steht grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion und Einkommen der Eltern. Für interessierte Eltern bieten wir im Januar jeden Jahres Informationsveranstaltungen an. Auch in höhere Klassen nehmen wir Schüler als Quereinsteiger auf.

2. Muss ein Kind musisch begabt sein, damit es für die Waldorfschule geeignet ist?

Nein, unsere Schule ist eine Schule für alle Begabungsrichtungen.
Wenn Waldorfschüler malen, zeichnen, plastizieren oder bildhauen, geht es dabei weniger um das Ergebnis, sondern ganz wesentlich um den Prozess. In den künstlerischen Prozessen entwickeln die Kinder und Jugendlichen eine Vielzahl von Fähigkeiten, die weit über das künstlerische Gestalten hinausgehen. Unser Ziel ist es, den Verstand, die Kreativität und die Persönlichkeit unserer Schüler gleichgewichtig zu entwickeln.

3. Gehen hauptsächlich Kinder mit Lernschwierigkeiten auf eine Waldorfschule?

Nein. Ausdrücklich nein. Für Kinder, die Leistungsschwächen oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen, gibt es – wie im staatlichen Schulsystem auch – besondere Schulformen: Bei uns sind das die heilpädagogischen Förderschulen. An Waldorfschulen, die nicht ausdrücklich solche Sonderschulen sind, lernen Kinder aller Begabungsrichtungen wie an den staatlichen Regelschulen auch. Der einzige Unterschied ist: Wir bilden neben intellektuellen Fähigkeiten gleichgewichtig auch soziale und handwerklich-künstlerische Fähigkeiten aus.

4. Stimmt es, dass die Klassen an unserer Schule sehr groß sind?

Eine Klasse kann bis zu 36 Schüler stark sein. In den meisten Fächern – zum Beispiel in Englisch, Französisch und Werken – werden die Klassen aber in zwei oder drei Gruppen geteilt. Kinder, die sich in einem Fach leichter tun, helfen denen, die es schwerer haben. Schülern, die eine schnelle Auffassungsgabe haben, geben die Lehrer schwierigere Zusatzaufgaben. In einer großen Klasse entsteht durch die Vielzahl der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften der Kinder über 12 Schuljahre hinweg eine soziale Gemeinschaft, in der die Heranwachsenden aneinander lernen.

5. Stimmt es, dass es an unserer Schule keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt?

Auch wenn wir in der Unter- und Mittelstufe auf Noten verzichten, korrigieren unsere Lehrer selbstverständlich alle Schülerarbeiten. Statt dürrer Noten formulieren sie aber individuelle Beurteilungen. In den Zeugnissen gehen die Lehrer individuell auf die Persönlichkeitsentwicklung und auf die Lernfortschritte ihrer Schüler ein. Dabei ist nicht ausschließlich der Wissensstand, sondern auch die Gesamtentwicklung entscheidend. Von der 1. bis zur 12. Klasse bleiben die Schüler nach Möglichkeit selbst dann in einer festen Klassengemeinschaft, wenn ihre Leistungen vorübergehend nachlassen. Niemand bleibt sitzen.

6. Ohne Noten und ohne Sitzenbleiben: Sind die Kinder dann überhaupt zum Lernen motiviert?

Der Unterricht an unserer Schule ist auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler abgestimmt und lebensnah gestaltet. Deshalb stellt sich dieses Problem nur selten.
Eigeninitiative entwickeln die Kinder und Jugendlichen nicht durch Leistungsdruck, sondern aus einer gesunden Motivation heraus, die auf Interesse basiert. Dieses Interesse wollen wir in unserer Schule immer wieder neu wecken.

7. Kommen die Waldorfschüler später denn überhaupt mit der harten Realität zurecht?

Die Praxis zeigt, dass Waldorfschüler von Ausbildern und Personalchefs geschätzt werden. In unserer Schule werden nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten gefördert. So können unsere Schülerinnen und Schüler auch viele Schlüsselqualitäten entwickeln, die in der Arbeitswelt immer wichtiger werden: zum Beispiel Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken. Waldorfschüler studieren und arbeiten erfolgreich in allen Studien- und Berufsfeldern.

8. Welche Abschlüsse können an einer Waldorfschule gemacht werden?

Unsere Schülerinnen und Schüler können den Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss oder das Abitur machen.

9. Spielen Naturwissenschaften an der Waldorfschule überhaupt eine Rolle?

An der Waldorfschule stehen die naturwissenschaftlichen Fächer gleichgewichtig neben allen anderen Unterrichtsfächern.

10. Wie stehen die Waldorfschulen zum Umgang mit digitalen Medien?
Medien sind fester Bestandteil des Alltags in unserer Informationsgesellschaften – auch in Waldorfschulen. Dennoch haben Waldorfschulen auch eine kritische Sichtweise auf Medien und welche Rolle sie im Alltag von Kindern und Jugendlichen spielen. So sind wir überzeugt, dass Computer, Tablets und Smartphones im Kindergarten und in der Unterstufe (Klasse 1-4) nichts zu suchen haben. In der Oberstufe ist das Fach Informatik fester Bestandteil des Unterrichts. Der Umgang mit Soft- und Hardware ist für jeden Waldorfschüler eine Selbstverständlichkeit.

11. Die Waldorfschulen nennen sich „freie Schulen“. Heißt das, dass die Schüler dort antiautoritär erzogen werden?

Nein. Waldorflehrerinnen und -lehrer bauen ein von „liebevoller Autorität“ geprägtes Verhältnis zu ihren Schülern auf.
Kinder suchen ihre Grenzen. Nur wenn sie diese Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeit. Im Laufe der Schulzeit wandelt sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis zu einem bewusst gestalteten Miteinander.

12. Warum haben die Kinder in den ersten acht Schuljahren nach Möglichkeit denselben Klassenlehrer?

In einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, können Kinder sich gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Waldorfklassenlehrer seine Klasse nach Möglichkeit acht Jahre lang. Er lernt seine Schüler sehr gut kennen und geht individuell auf ihre Stärken und Schwächen ein. Dass Bindung eine der Grundvoraussetzungen für Bildung ist, bestätigen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.

13. Kann ein Lehrer in allen Fächern überhaupt qualifiziert unterrichten?

Für Lehrer an Waldorfschulen gibt es eine eigene Ausbildung, die auf die Besonderheiten des Waldorfschulunterrichts vorbereitet. Klassenlehrer unterrichten täglich in den ersten beiden Stunden jeweils ein Fach über mehrere Wochen (Epochenunterricht). Danach unterrichten Fachlehrer die anderen Fächer wie Sport, Fremdsprachen, Eurythmie, Religion, Musik und handwerkliche Fächer.
In der Unter- und Mittelstufe geht es an unserer Schule nicht um das reine Fachwissen, sondern auch darum, dass die Schüler eine lebendige Beziehung zum Lernstoff herstellen. Damit wird die Basis für gründliches Verstehen gelegt. So kann Lernen Freude machen – ein Leben lang.

14. Was bedeutet „Epochenunterricht“?

In den ersten beiden Schulstunden behandeln Waldorflehrer ein Stoffgebiet in Epochen über mehrere Wochen hinweg. So haben die Schüler zum Beispiel drei Wochen lang jeden Tag zwei Stunden Geschichte, dann wieder drei Wochen lang zwei Stunden Mathematik. So können sie sich intensiv mit einem Stoffgebiet verbinden. Grundlagen wie Rechnen oder Schreiben festigen die Schüler über den Epochenunterricht hinaus in fortlaufenden Übstunden.

15. Worin unterscheiden sich überhaupt Waldorfschulen von anderen Schulen?

Waldorfschulen entwickeln intellektuelle, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten gleichwertig. Vom ersten Schuljahr an lernen unsere Schüler zwei Fremdsprachen. Auf die handwerklich-künstlerischen Fächer wird besonderer Wert gelegt. Mindestens in der 8. und 12. Klasse studieren unsere Schüler ein anspruchsvolles Theaterstück ein.
Zusätzlich setzen sie sich in den Klassen 8 und 11 in einer großen Projektarbeit, der sogenannten Jahresarbeit, mit einem Thema ihrer Wahl auseinander. Diese Projektarbeiten bestehen aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Ihre Arbeitsergebnisse präsentieren die Schüler in einem öffentlichen Vortrag.
Die Fächer Gartenbau, Schmieden und Eurythmie sind feste Bestandteile des Unterrichts.

16. Wie werden die Jugendlichen in der Oberstufe auf die Berufswelt vorbereitet?

Während der gesamten Oberstufe werden die Schülerinnen und Schüler in allen Fächern von Fachlehrern unterrichtet.
Bereits in den vorangegangenen Schuljahren hatten sie sich handwerkliche Fähigkeiten angeeignet. Diese erweitern sie in der Oberstufe durch mehrere Praktika: In einem Landwirtschafts- und in einem Forstpraktikum, einem Feldmess-, einem Industrie- und einem Sozialpraktikum erhalten die Schüler eine lebensnahe Ausbildungsgrundlage. Dabei liegt der Sinn der Praktika nicht nur in der Berufsfindung, sondern auch im Erweitern sozialer und persönlicher Fähigkeiten.

17. Kommt die Vorbereitung auf die Abschlüsse nicht zu kurz, wenn die Schüler so viele Praktika machen, wenn sie Theater spielen und handwerklich arbeiten?

Der Lernstoff kommt nicht zu kurz – das beweisen unsere überdurchschnittlich guten Abschlussnoten und -quoten. Doch in einigen Schuljahren sind die Anforderungen an unsere Schülerinnen und Schüler durch die zusätzlichen Aktivitäten recht hoch. Hier tun wir alles, um gute Lösungen zu finden und niemanden zu überlasten.

18. Werden die Kinder an der Waldorfschule weltanschaulich unterrichtet?

Nein. Die Waldorfschule ist konfessionell nicht gebunden: Zunächst entscheiden die Eltern, welchen Religionsunterricht ihr Kind besucht, später entscheiden die Jugendlichen selbst. Und Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Erkenntnisse selbst sind niemals Gegenstand des Unterrichts.

19. Was hat es mit dem Fach Eurythmie auf sich?

Eurythmie ist eine Bewegungskunst, die an Waldorfschulen in allen Klassen unterrichtet wird. Im Unterschied zu frei gestalteten gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungen, gibt es in der Eurythmie für jeden Buchstaben und jeden Ton eine ganz bestimmte Gebärde. In der Lauteurythmie stellen die Schüler zum Beispiel dar, was in einem Gedicht an Lauten lebt. In der Toneurythmie werden die Tonintervalle, die in einer musikalischen Komposition leben, sichtbar.

20. Wer war Rudolf Steiner, und was hat er mit der Waldorfpädagogik zu tun?

Rudolf Steiner gründete 1919 die erste Waldorfschule in Stuttgart. Die Idee dazu ging von Emil Molt aus, dem fortschrittlich gesinnten und sozial engagierten Besitzer der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik. Er beauftragte Rudolf Steiner, eine Schule für die Kinder seiner Arbeiter einzurichten. Die Methode der Waldorfpädagogik beruht auf Rudolf Steiners Erkenntnissen über die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Neben der Pädagogik hatten Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Forschungen und die von ihm entwickelte Anthroposophie Einfluss auf viele weitere Gebiete: zum Beispiel auf die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Medizin und die Kunst. Mehr zum Thema Anthroposophie.